Aus der Badischen Zeitung vom 29.11.2011
Der Musikverein Heitersheim gab mit der Gemeindekapelle Bad Krozingen ein Doppelkonzert.
Ein außergewöhnliches Konzert bot der Musikverein Heitersheim in der Malteserhalle. Foto: Sabine Model
HEITERSHEIM. (mod) Während draußen der Novembernebel waberte, stimmten in der Malteserhalle der Musikverein Heitersheim und die Gemeindekapelle Bad Krozingen ein aufmerksames Publikum mit sinfonischer Blasmusik á la Carte auf den Advent ein. Der außergewöhnliche Konzertabend faszinierte mit einem vielfältigen Klangspektrum von Klassik über Pop und Folklore bis hin zu spannungsreichen Tongemälden.
Beim Open-Air-"Sommernachtstraum" im Juli in Bad Krozingen hatte sich zwischen beiden Orchestern eine Freundschaft entwickelt, die sich in diesem ersten Doppelkonzert niederschlug, aber sicher nicht die letzte konzertierte Aktion sei, wie der Heitersheimer Vorsitzende Thomas Höfler hofft. Das Bad Krozinger Stammorchester, unter Leitung von Andreas Daiger, begrüßte dies mit der kraftvollen "Alpina Fanfare" des Schweizer Komponisten Cesarini. Die Sagenwelt der nordischen Mythologie näherte sich mit der Götterdämmerung "Fate oft the God" von Reineke. Orchestermitglied Christoph Nieke erläuterte die symbolisierte Entstehung einer neuen friedlichen Welt. Zunächst entbrannte ein erbitterter Kampf zwischen Gut und Böse, der sich unter donnerndem Schlagzeug bis zum Weltuntergang dramatisch steigerte, um durch den einzig unversehrten "Baum des Lebens" zur glücklichen Idylle zu werden. Unter diesen Voraussetzungen ließ es sich in fließenden Taktwechseln und mit lyrischen Passagen verspielt und leichtfüßig mit "Toward the Bright Future" heiter-optimistisch einer hellen Zukunft entgegen gehen, die der Feder des Japaners Wada entstammt. In logischer Konsequenz ertönte schließlich der "Song for a New Generation" in durchgehendem Bolero-Tempo verschiedener Motive. Turbulenzen, Harmonien und prächtige Orchestrierung wechselten, bis sich die Hoffnung Bahn brach und in friedvollen Triangel-Tönen nachklang.
Mit der "Western Suite" sattelten die Bad Krozinger musikalisch die Pferde für einen großen Treck, bei dem im ersten Satz die Blechbläser rhythmische Feinheiten, Artikulation und exemplarische Dynamik bravourös umsetzten. Die romantische Nacht am Lagerfeuer verlangsamte das Tempo und entspannte bei ausbalanciertem Volumen mit Glockenspiel und Xylophon. Effektvoll hingegen gelang der marschartige Rodeo-Ritt. Mit Ohrwürmern aus den 70ern der Pop-Gruppe "Supertramp" verabschiedeten sich die Gäste, legten aber nach der zelebrierten Blasmusik mit "The Thunderer" einen amerikanischen Marsch als Zugabe nach.
Die Naturattraktionen der legendären Appalachen-Gebirgskette hat James Barnes in Noten projiziert, die der Musikverein Heitersheim zum Leben erweckte. Dirigent Rüdiger Müller brachte sein Orchester mit der "Appalachian Overture" sofort von null auf hundert in Präzision, Eleganz und Virtuosität. Höchste Konzentration erforderte ebenso das Siegerstück des österreichischen Kompositionswettbewerbs "Sub Terra" im Genre der sinfonischen Blasmusik. In Daniel Weinbergers Unter-Tage-Krimi durchlebten Musiker und Auditorium in höchster Anspannung die glückliche Bergung eines verschütteten Bergarbeiters. Mit Dissonanzen und Alarmsignalen waren Albtraum, Einfahrt und Unglück an Dramatik kaum zu überbieten. Rettung und Hoffnung dieser bebilderten sinfonischen Geschichte endeten in einem virtuosen Finale.
Puszta-Landschaft, Lebensfreude, ungarisches Temperament und Melancholie spiegelten vier Zigeunertänze von Jan van der Roost wider, die spielerisch-beschwingt, leidenschaftlich und melodiös die geballte Klangfülle des Orchesters forderten, angespornt vom ehrgeizigen musikalischen Leiter, dessen Lieblingskomponist Alfred Reed nicht fehlen durfte. Moderator Manfred Ortlieb leitete in gewohnt unterhaltsamer Weise zur "Fith Suite for Band" über, die Rüdiger Müller exquisit inszenierte. Vier Volkstanzstile waren in drei Tänzen verarbeitet: flott amerikanisch, höfisch-französisch und rumänisch-israelisch. Das Orchester ließ sich verdient frenetisch feiern und nahm mit der "Arabesque" Bezug auf den jahreszeitlich bedingten Markt-Boom, allerdings mit orientalischen Akzenten.
Seit fünf Jahren entwickelt Rüdiger Müller erfolgreich immer neue Konzertideen, wurde diesmal aber selber überrascht mit einem Notenschlüssel-Gemälde der Saxophonistin und Künstlerin Doris Brauch. Der (Über)-"Fliegermarsch" erwies sich nicht nur als Zugabe, sondern auch als Hommage an den Dirigenten.


